Ein Schwerthieb der mir ein paar Haare sauber vom Kopf trennte, ein nächster Schwerthieb, dessen Lufzug schärfer wie dessen Klinge war, blocken ist fast nicht mehr möglich.
Zwei Klingen stoßen gegeneinander, Funken flogen kurz und mein gegenüber drückt die Klinge so fest das sie meine Klinge fast zerschneidet.
Ein Kraftakt dem ich bald nicht mehr in der Lage bin dafür zu sorgen das mein eigenes Schwert vor meinen Gesicht nicht mich selbst schneidet.
Das war von Anfang an kein Trainingskampf mehr. Mein Gegenüber, mein Schützling.
Der Prinz.
Er war bekannt dafür das er viele Knappen beim Trainingskampf verstümmelte.
Nun war auch meine Stunde gekommen.
Aber erstmal den Tag davor.
Es war kurz vor Abend, nur noch eine Frage der Zeit bis die Sonne den Himmel in ein Abendrot verfärbte. Mein Spiegelbild ist blass.
Doppelleben zu führen war anstrengend. Wenn die Sonne aufgeht, und bis sie untergeht bin ich Ceres, ein Ritter vom Königlichen Hof. Aufstrebend, Jung und stark. Meister seines Schwertes, in binnen weniger Jahre wurde ich zum Beschützer des Prinzen erklärt.
Aber danach, danach war ich die Tochter eines Marinekapitäns. Ich zog meine lange Perücke an damit meine Mutter nichts wusste vom dem was ich den ganzen Tag über mache.
Meine Großeltern führen einen Stock weiter unten ein Restaurant, ein Hotel. Und so hörte ich auch den Lärm von grölenden Soldaten die sich da unten betranken.
Sie hatten mich noch nie erkannt.
Und heute war ein Ball zur Feier der Sonnenwende im Königreich der Chiracs. Ein weiterer erfolgloser Versuch meiner Mutter, mich endlich zu verkuppeln.
Seltsamerweise kam ich bei den Männlichen Gästen gut an, von den Söhnen die aus einer größeren Bauernfamilie stammen, bis hin zu alten Geschäftsführern war die Palette breit.
Aber nichts… richtiges…
Die Sonne entschied sich das ganze Spektakel nicht mehr anzusehen und doch etwas früher zu verschwinden. Der Nachthimmel erstrahlte und ich zupfte an den Rüschen meines Kleides. Mein Zylinder mit Rosen bestickt, kaschierte meine Perücke wunderbar. Doch lange konnte ich über mein Outfit nicht nachdenken. Oder über den nächsten Bewerber: Den Prinzen des Südens namens Thisseas, der mir schon öfters den Hof machte.
Denn vor mir stand nun ein Schatten.
Der Prinz.
Haruki.
Wahrscheinlich hätte ich mir in mein teures Kleid gemacht, aber selbst dazu war ich zu sehr von Furcht bedeckt. Nicht in der Lage zu reagieren oder etwas zu sagen.
„Madame? Darf ich sie zu einen Tanz auf fordern?“, er begrüßte sich Standard gemäß bei meinen potenziellen nächsten Tänzer und blickte dann wieder mich an.
Ich hatte das Gefühl ich bekomme diesen Krampf in meinen Gesicht – das verzweifelt ein Lächeln darstellen sollte – nicht mehr herunter.
„Ich fürchte ich wollte gerade gehen, mein Prinz.“
„Aber nicht doch…Sie können mich doch jetzt nicht verlassen wollen?“, der typische Charme eines Prinzen sprühte regelrecht aus ihn heraus, inzwischen waren viele Blicke auf uns gerichtet.
Wusste er es? Wusste er es nicht? Folterte er mich gerade oder war ich selbst für meine Verhältnisse gerade ZU weiblich? Was auch immer es war, er schaffte es ein: “Ein Tanz aber nur…”, zwischen meine Lippen heraus zu bekommen.
Seine Hand berührte meine, sehr zart, fast schon vorsichtig: „Es ist mir eine Ehre.“, dann küsste Haruki meinen Handrücken ohne mich aus seinen giftgrünen Augen zulassen.
Das Geflüster war kaum zu überhören, alle sprachen davon wie der Prinz meine Jungfräulichkeit nun nehmen wird und ich keinen Mann mehr finden kann. Was musste er auch ein ganzes Nachbardorf entjungfern.
Natürlich konnte er als PRINZ perfekt tanzen, und auch ich, die in einem Leben zwei führte musste das natürlich beherrschen.
“Geht es Ihnen nicht gut, mein Fräulein?”
“Ach, ich tanze mit den Prinzen persönlich… wer wäre da nicht nervös?”
“Machen Sie sich keine Gedanken deswegen…im Ballsaal sind wir alle nur Menschen.”
Der etwas ruhige Walzer stoppte und plötzlich erklang Tango.
Gerade als er meine Hand loslassen wollte tauschte er anscheinend einen Blick mit Thisseas aus, sein Griff wurde wieder fester und da begann der Tanz.
Es war von den Göttern ein Segen, das ich einen Tanzlehrer und Schneider als besten Freund hatte.
In binnen kürzester Zeit hatten wir die gesamte Tanzfläche eingenommen und wir waren mitten im geschehen.
Die Musik stoppte nach fast sechs Minuten, ich konnte seine schweren Atemzüge an meinen Hals spüren, sein Kopf über meiner Schulter, ich selbst gerade so gebeugt das wenn er mich loslassen würde ich unsanft hinfalle.
„Wenn du Morgen verschläfst, werde ich dich exekutieren lassen müssen, Ceres Ira Minerva.“, flüsterte er in mein Ohr, hob mich hoch und küsste mich auf meinen Handrücken – wie es sich gehörte.
Unsere Blicke verrieten keiner der Personen die uns ansahen über was wir gerade sehr-sehr leise sprachen: „Ich werde pünktlich wie immer zum Dienst erscheinen…mein Prinz…“
„Sehr schön.“, dann folgte ein lächeln das schlimmer war als die angedrohte Exekution. Ein: ‘Mich dürstet es nach deinen Blut’ lächeln.
Am nächsten morgen ritten wir immer unsere Pferde aus, blieben bei der Waldlichtung neben einen kleinen Teich stehen und sollten unseren Übungskampf machen.
„Du TANZT wohl gerne. Heute TANZEN wir mal.“, sprach er.
Und nun stand ich da, fragte mich gerade ob das letzte was sehe diesen Blick beim Prinzen ist.
„Was kümmert dich das?!“, etwas trockener als ich den Satz meinte. Ich hatte Panik, und noch mehr Panik als ich sah das er bald meine Klinge in 2 Hälften zerteilt hat.
Entweder meine Kraft lies nach und ich würde mir selbst mein Gesicht verstümmeln oder er würde meinen Kopf sauber von meinen Körper trennen.
Beides war ein Alptraum.
„DU GEHÖRST MIR!“, schrie er – hatte der Prinz eigentlich jemals geschrien? – ein weiterer Kraftschub und die Hälfte meiner Klinge war schon von seiner durchschnitten.
Ein sanfter Rotton kam hoch, wurde aber schnell durch den ernst der Lage wieder vernichtet: „Ja aber nur am Tag!“
„Immer! Tag und Nacht!“, gerade als ich dachte jetzt gibt die Klinge meines Schwertes nach, zog er seine aus den Stahl meines und hackte einen Ast von den Baum ab gegen den ich mich inzwischen lehnte.
Ich werde sterben.
„Das ist doch lächerlich!“, gehörte ich aus PRINZIP ihn? Weil er ein verwöhnter kleiner Junge ist dem alles zufliegt? Seine Brille die er an hatte verlor langsam seinen halt: „Das sind. Die Tatsachen!“, ein Schlag erneut gegen meine Klinge der mich fester gegen den Baum drückte.
Ich werde ganz bestimmt sterben.
„Es macht keinen Unterschied, du hättest es doch nie gemerkt wenn du gestern nicht gegangen wärst… also was ist daran so schlimm?!“, mit den Schwert hatte ich keine Chance mehr, meine einzige Möglichkeit war seine Vernunft – an die ich bis jetzt noch nie geglaubt hatte – zu wecken.
Während meines Trainings hatte ich den Prinzen oft beobachtet, und ich hatte ihn nie wütend erlebt. Niemals schreiend. Aber seit wir begonnen hatte schrie er ziemlich viel, und auch jetzt: „ICH WILL ES EBEN NICHT!“
Die Kraft in meinen Armen verlässt mich, mein kaputtes Schwert – mit dem ich wohl nicht einmal mehr Butter die in der Sonne aufgeweicht war, hätte schneiden können – fiel zu Boden.
Mit mir.
„Und was soll ich deiner Meinung MACHEN?“, vielleicht wird das der letzte Satz sein den ich sage…
Er hob sein Schwert über seinen Kopf, sein Blick war jenseits eines Mörders oder Verbrechers.
Es war… etwas höheres…
„DU WIRST TUN, WAS ICH WILL!“, dann rammte er sein Schwert in den Baumstamm an den ich lehne, ich beobachte wie ein paar Haarsträhnen von mir runter gleiten langsam.
Haruki’s Schwert nun bis zur Hälfte im Baumstamm, sein Atem schwer… tiefe Atemzüge.
Im Gegensatz zu mir. Meine Körperfunktionen haben für wenige Millisekunden gerade ausgesetzt.
Eine Chance, bis er das Schwert wieder raus gezogen haben könnte… : „Falls du es vergessen haben solltest! Dieses Leben HIER das ist das was mich umbringen könnte, ich bin eine FRAU und FRAUEN dürfen keine RITTER sein…“
Nun stützte er seine Hände ab an den Baumstamm, so das wir unaufhörlichen Augenkontakt hatten: „Dann hättest du keiner werden sollen. das war deine Entscheidung.“, ich war verwirrt, wollte er das ich- : „Also soll ich meinen Dienst quittieren?“
Mein Blick verwirrt, Ausweg gab es keinen.
„Das verbiete ich dir.“, wusste der Prinz eigentlich selber was er will?
“Was willst du eigentlich von mir?”
“Ich weiß…es nicht genau…”
Meine Atemzüge passten sich den von ihm an, tief, lang, und schwer. Schweißgebadet fragte ich mich gerade ob das nicht vielleicht alles nur eine Einbildung ist, und mein Kopf vielleicht schon längst in einem Gebüsch gerollt ist.
Die Begründung dieses Gedanken lag wohl daran, das wir da saßen. Haruki immer noch beide Hände abgestützt an den Baum hinter mir, seine Blicke fest in meinen Verankert.
Vielleicht saßen wir hier drei Stunden, vielleicht nur eine halbe Stunde, oder es waren die längsten zwölf Sekunden meines Lebens.
So oder so geschah in dieser Zeit außer diesen absolut intensiven Blickaustausch nichts.
Unser Atem hatte sich inzwischen beruhigt und ich bekam ein Gefühl meine Arme zurück.
„Mein Prinz?“, flüsterte ich, etwas ängstlich er könnte wieder sich erinnern warum er gerade dabei war mich zu töten. Er kam näher mit seinen Kopf, so das ich seinen Atem spüren konnte. Nun konnte ich nicht mehr sprechen, ohne das sich unsere Lippen streifen würden.
Was für ein Trick es wohl diesmal war?
Gerade als ich meinen Kopf mehr an den Baumstamm hinter mir pressen wollte, vergrub er seine Finger in meinen Haaren, zog mich näher mit den Kopf zu ihn, so das unsere Lippen regungslos sich leicht berührten. Ein kurzer, sanfter Kuss, dann wieder in derselben Position wie eben: „Er gehört mir…“, flüsterte er.
Ich bezweifle das er gerade wusste was er tat.
„Als Herr und Meister… gehört er ganz rechtmäßig mir… dein erster Kuss…“, erneut berührten sich unsere Lippen sanft, es war eine Geste an die ich nie geglaubt hatte das dieser Prinz sie beherrscht.
„Und wie komm ich zu der Ehre?“, während diese Worte über meine Lippen kamen streifte ich weiterhin seine, unsere beiden Augen waren noch ein wenig offen.
Meine Angst die noch eben meinen Körper lähmte wurde durch etwas anderes… mächtigeres Ersetzt.
Seine Hände die noch eben an dem Baumstamm und die andere in meinen Haaren waren packten mich an meiner Schulter und drückten mich auf den Waldboden.
Ein Blick den ich noch nie bei ihm gesehen hatte saugte mir gerade meine Seele auf.
„Weil du mir gehörst.“, sprach er leise, seine Zunge fuhr kurz über meine Lippen, nur um ihren Weg hinein zu bahnen. Erst noch sanft, begann er leidenschaftlicher und verlangender zu werden.
Und für einen kurzen Moment hatte ich erneut das Gefühl das mein Kopf irgendwo schon lange in einen Gebüsch liegt.
Denn ich fand mein Stückchen Himmel…